Betreute Angst
von Rechtsanwalt Dr. Andreas Neumann
In der deutschen Sprache gibt es viele, zu viele Anglizismen. In der englischen
Sprache sind die Germanismen dagegen eher selten. Neben dem berühmten
„Kindergarten“, dem „Rucksack“ und dem „Blitzkrieg“ ist ein im
englischsprachigen Raum sehr bekannter Germanismus der Begriff der
„German Angst“.
Aber ist das wirklich ein deutsches Phänomen? Mag sein, jedenfalls aber ist
Angst unter den Menschen ein uraltes gängiges Herrschaftsmittel. Jede
Herrschaft stützt sich auf sie, ist ohne sie nicht denkbar. Man spricht nicht
umsonst von der Staatsgewalt. Es ist diese offene oder unausgesprochene
Drohung mit Gewalt, welche die Untertanen gefügig macht. Es ist die Angst,
in den Kerker gesteckt zu werden, oder anderes Unheil zu erfahren, die
Menschen dazu bringt, Gesetze einzuhalten.
Mag sein, dass auch ohne staatliche Gesetze Menschen sich anständig
verhalten können. Es ist dann aber zumeist das Sittengesetz, welches sie dazu
anhält, nämlich die Angst, aus der Gemeinschaft verstoßen zu werden, was für
den Menschen schon vor der Zivilisation den Tod bedeutet hätte.
Solche Ängste wirken unmittelbar und unbewusst, man braucht über sie nicht
nachzudenken. Das ist genau das Charmante für die Herrschaft, dass die Angst
wirkt, ohne dass sie des Verstandes bedarf. Sie spielt sich völlig außerhalb des
Verstandes rein auf der emotionalen Ebene ab, entsteht dort, wirkt dort und
kann auch nur dort erkannt und beseitigt werden. Die Massenpsychologie
weiß das, der Michel nicht.
Offensichtlich weiß er es nicht, sonst würde er nicht an den Lippen der
Tagesschau-Sprecherin hängen und vor den Impfzentren in der Schlange
stehen. Sonst würde er vor freien Angesichtern nicht um sein Leben rennen
und nicht in jedem gesunden Menschen einen Todfeind vermuten. Es hat
etwas von Aberglauben, wenn Bürger glauben, dass andere Bürger durch ihre
schiere Anwesenheit andere Menschen töten. Den Hexen warf man seinerzeit
wenigstens noch Zauber-Rituale vor. Heute wird man schon des bösen
Zaubers bezichtigt, ohne mit dem Besen über den Himmel geritten zu sein.
Welch eine freudlose Zeit!
Was den Hexen die Flugsalbe gewesen sein soll, ist den heutigen sogenannten
„Corona-Leugnern“ die freie Information. Sie ist die Heilkunde der heutigen
Zeit für unsere kranken Seelen und Körper. So wie die Hexen bei ihren
Wurzeln verblieben waren, so streben die heute wie sie Beschimpften zu ihren
Wurzeln zurück.
Das kann der Staat nicht dulden. Er leitet sich von einem angeblich höheren
Gesetze, einer höheren Angst, der Ehrfurcht, ab.
Früher war es das Gottesgnadentum, das sich auf die Kirche stützte, welche
dem Erbsouverän die Krone gab. Die Kirche wiederum stellte sich zwischen
den Menschen und Gott. An die Stelle der beseelten Natur und des Menschen
als freier Kraft in ihr trat das Berufs-Priestertum, welches allein die
Schlüsselgewalt zum Himmelreich innezuhaben behauptete und den
Menschen so von der Weltseele trennte.
Seit der bürgerlichen Revolution und Säkularisierung wurden die Kirchen –
zumindest vordergründig – zurückgedrängt, letztendlich aber Gott aus der
Gleichung ganz entfernt. An seine Stelle trat das freimaurerische Ideal der
Massen-Souveränität.
Das ist bei allem Glorienschein ein Widerspruch in sich. Die Masse beherrscht
sich nicht selbst. Sie hat ja noch nicht einmal Selbstbeherrschung.
Seit jenem Bruche mit dem ancienne regime wird die vormals offene
Beherrschung nun lediglich verschleiert. Es herrschen nun Hintergrund Mächte, die durch Einflüsterer und die Geldmacht regieren. Die gab es vorher
schon, aber nun können sie sich auf allen Ebenen ihre Büttel aussuchen und
nach Belieben austauschen, ohne dass es der Pöbel merkt, denn seine Peiniger
kommen aus seiner Mitte und bewegen sich in ihm.
Im Vergleich zur heutigen Zeit galt die Aufmerksamkeit des vorrevolutionären
Pöbels freilich ebenfalls eher dem Tagwerk als der Majestät, die Grenzen
waren aber einfach zu überblicken. Zwischen Fron, Abgaben und drei
Vaterunser ließ es sich einigermaßen leben, zumal die Arbeitszeit noch von
paradiesischer Kürze war, je weiter man in die Vergangenheit schaut.
Heute nimmt uns das Zinssystem die Luft zum Atmen und regiert uns der
Staat bis in die Intimsphäre. Galt im germanischen Recht noch das befriedete
Besitztum als heilig – daher der Lattenzaun -, so regiert die Bundesregierung
heute in die Wohnzimmer und schreibt uns vor, ob unsere Familie dort
vollzählig oder nur in Teilbesetzung am Tische speisen darf. Nicht
auszudenken, was unsere Altvorderen von solch einem Ansinnen gehalten
hätten.
Wie auch der Name des deutschen Michels vom ursprünglichen Erzengel
Michael als Wodans Nachfolger und auf dem weißen –
niedersächsisch-/westfälischen – Pferde reitenden Kriegsheiligen
herabgesunken ist zum willfährigen Schlafmützen-Träger, hat derselbe heute
jedem Übergriff eines seelenlosen Zwangssystems nichts mehr
entgegenzusetzen. Er hat Angst, etwas, das unsere Vorfahren nicht kannten.
Die Angst kam mit Bonifacius und dem Schwerte Karls des Großen. 30 Jahre
dauerte das Ringen und die freie Seele floß tausendfach rot die Aller hinunter.
An die Stelle der freien Seele trat der Sünder-von-Geburt-an, welcher des
Priesters bedurfte, um seine Seele erst rein werden zu lassen, auf dass er in
den Himmel komme, statt in die Hölle. So vom Priester abhängig, konnte der
einstmals freie Mensch keine unmittelbare Beziehung zur Seelenwelt mehr
unterhalten. Er hatte zu glauben, wenn ihm von der Kanzel Angst gemacht
wurde, dass er im Fegefeuer schmoren werde. Da er zur Kanzel hinaufblicken
musste, alles Gute bekanntlich von oben kam, musste es wohl stimmen, was
man ihm sagte, er aber nicht sah.
So hatte er genügend Angst vor dieser abstrakten Gefahr, dass er sich
hilfesuchend in den Tempel begab, statt in den Eichenhain, um dort gesagt zu
bekommen, wie er sich zu verhalten habe, um dem unsichtbaren Grauen zu
entgehen: Beten, Kirchgang, Beichte und Ablass lauteten damals die
wichtigsten Benimmregeln für den armen Sünder. Dann, so durfte er gewiss
sein, war die Gefahr gebannt, Dank der Mutter Kirche.
Jene, die noch an ihren Wurzeln festhielten, wurden im wahrsten Sinne des
Wortes verteufelt. Man sagte ihnen Hexenzauber nach und die Hirten
verlangten von der Herde, dass sie jene zu verraten hätten, weil sie dem Heil
der Schafe entgegen stünden.
Der aufgeklärte Staat, der beste, den es in mehreren Jahrtausenden auf
deutschem Boden jemals gegeben hat, ist so frei, das Gleiche zu tun.
Auch er predigt eine abstrakte Gefahr, nämlich die vor einem unsichtbaren
Virus. In dieser diffusen Angst nun lauschen die Bürger der elektronischen
Kanzel in ihrem Wohnzimmer und auf die tägliche Lesung der Propheten Briefe des RKI, um dann versichert zu werden, dass alles dennoch gut werde,
wenn nur alle Bürger hübsch artig und auch fromm sich verhalten.
Was seinerzeit Beten und Büßen war, ist heute Masken tragen, Abstand
halten, seine Kinder als Gefahr-von-Geburt-an zu erziehen, sie zum
Exorzismus in Einzelhaft zu sperren und seine Großeltern alleine sterben zu
lassen und als finalen Rettungsschuss die Impfung.
Der ehedem Sünder-von-Geburt-an ist heute der Gefährder-von-Geburt-an.
Versuchte die Kirche noch, die Menschen gefügig zu machen, indem sie
behauptete, für deren Seele zu sorgen, verlangt der heutige Staat von seinen
Untertanen, dass sie sich mittels einer mRNA-Spritze genetisch erst verändern
lassen, um geduldet werden zu können. Die Würde des Menschen soll
angeblich unantastbar sein. Nun wird der „Mensch“ eben umdefiniert. Die
Vereinigten Staaten von Nordamerika machten es einst vor, als sie in ihrer
Verfassung zwar die Menschenrechte verkündeten, aber natürlich davon
ausgingen, dass Schwarze eben keine Menschen seien.
Hatte die Kirche sich noch bemüht, die Vorgaben für ein wohlgefälliges Leben
einigermaßen ethisch erscheinen zu lassen, hat der heutige Staat keine
Hemmungen, seine Umkehrung aller Werte offensichtlich werden zu lassen.
Jahrtausende Angst-Drill und „angeborenes“ Büßergewand haben das
Bewusstsein der Menschen zu sehr vom Menschsein entfernt, als dass sie
derartige Feinheiten noch bemerken könnten. So sind wir heute ein Volk von
masketragenden Flagellanten und mRNA-Hybriden.
Um eine Gruppe zusammenzuschweißen, bedarf es eines Feindbildes. Die
abstrakte Gefahr reicht dafür nicht aus.
Mussten damals die Verwurzelten noch als Hexen und Ketzer herhalten, sind
sie heute Ungeimpfte und sogenannte „Corona-Leugner“. Den Hexen sagte
man nach, durch altes Wissen Menschen verzaubern, von der kirchlichen
Lehre abhalten zu können. Sie zögen damit die Gläubigen von der Kanzel weg
und in die Hölle.
Den „Corona-Leugnern“ sagt man nach, durch neues Wissen die Gläubigen
vom Fernseher wegzuziehen und damit dem neuen Gott-sei-bei-uns auszuliefern,
der in einem Virus bestehe, dessen Namensgebung anmutet, als habe die
säkulare Kirche demselben als ihrem neuen Herren die Corona aufgesetzt. So
heißt „Corona-Leugner“ übersetzt Leugner der Krone, also jemand, der die
bestehende Herrschaft nicht anerkennt. Treffsichere Symbolik und
erfrischende Offenheit muss man den Herrschenden schon lassen.
Damit liegen die Folterinstrumente auf dem Tisch. Heute wie damals regieren
die Mächtigen mit betreuter Angst.
Den Untertanen wird von einer Autorität eine abstrakte Gefahr gepredigt, die
nur zu beherrschen sei, wenn die Untertanen die Verhaltensregeln der
Autorität befolgen, mögen diese noch so widersinnig sein. Die
Qualitätsmedien sind heute so unfehlbar wie seinerzeit der Vatikan.
Jeder, der dieses Spiel nicht mitspielt, ist ein Feind der gemeinsamen
Anstrengung, der unsichtbaren Gefahr zu entgehen. Er ist damit selbst Teil
der unsichtbaren Gefahr und muss beseitigt werden. Nulla salus extra
ecclesiam.
Diese Art der Frömmigkeit ist sehr bequem, denn sie erspart das Denken.
Selbst die vorzunehmenden Handlungen werden genaustens vorgegeben und
müssen lediglich abgespult werden. Für Gebete gibt es vorgegebene Texte
und Rituale und der zu verwendende Maskentyp und einzuhaltende Abstand,
ja selbst die Reinigung der Hände werden je nach Örtlichkeit von den Ritualen
der Corona-Schutz-Verordnungen vorgegeben. So lauschen die Gläubigen der
nächsten Änderung der Corona-Maßnahmen wie die Steuerberater der
Verkündung der Jahres-Steuergesetze. Ich weiß, wovon ich rede.
Dass es sich nicht um Corona-Maßnahmen, sondern um Regierungs Maßnahmen handelt, gerät dabei völlig aus dem Blick. Und das soll es auch.
Was früher die Beichte war, sind demnächst die Sozialpunkte, mit dem
Unterschied, dass die Beichte das Sündigen wenigstens noch voraussetzte. Die
Sozialpunkte sollen die Sünde aber mangels Absolution von vorneherein
verhindern. In diesem Sinne ist der neue Staat ganz evangelisch.
Freilich wäre Luther heute ob der Sündhaftigkeit des Staates wahrscheinlich
„Corona-Leugner“. Er hätte sich noch der alten Weisheit erinnert, dass Gott
dem helfe, der sich selber hilft, nicht dem, der nur Dank der Hilfe anderer
selig wird, also nur deshalb, weil andere um seinetwillen Maske tragen oder
sich impfen lassen. Auch hätte sich das Abstandhalten schlecht mit der
Barmherzigkeit vertragen.
Vielleicht hätte er angesichts der heutigen Blüten auch das evangelische
Primat des Glaubens vor der Werkgerechtigkeit noch einmal überdacht. Gott
mag den Glauben verdient haben, keinesfalls aber das Berliner
Gruselkabinett.
Bekanntlich wusste er ja, dass „aus einem verzagten Arsch kein fröhlicher Furz“
entfleuche, weshalb er sicherlich gegen die neue „German Angst“ wettern
würde. Hätte er aber Erfolg?
Warum hatte Luther damals Erfolg? War es das Bürgertum? Der Adel? Die
Bauern oder doch die Junker? Der Kurfürst von Sachsen? Melanchthon und
die Rosenkreuzer?
Die Antwort ist ganz einfach: Es war die Liebe. Und zwar die Liebe des
barmherzigen Gottes. Luther verkündete den verängstigten Menschen, dass
sie nicht bloß Sünder-von-Geburt-an, sondern von Gott geliebt seien und
befreite sie damit von ihrer Angst. Er hatte offensichtlich selber keine, als er
dastand und nicht anders konnte. Gott half ihm ja. Amen.
Warum hört man den „Corona-Leugnern“ nicht zu? Die ihnen vom Staat
auferlegte Bezeichnung weist schon darauf hin, wie man sie im Sinne des
Staates wahrzunehmen hat: Sie haben keinen Glauben, sie leugnen den der
Gläubigen! Sie seien damit nicht von einem bejahenden, sondern von einem
verneinenden Geist erfüllt. Die Psychologie nennt das Projektion, trägt den
Staat doch selbst der Geist, der stets verneint.
So sieht der Corona-Gläubige in dem „Corona-Leugner“ wieder den „Eber im
Weinberge“ und nur auf die Verneinung und nicht auf den Ausweg. Erzählt
man ihm, dass nicht die abstrakte Gefahr des Virus ihn bedrohe, sondern ein
wildgewordener Staat, der wie eine Krake sein ganzes Leben durchdringe und
ihm die Gurgel schnüre, dass derjenige, von dem er sein Heil erwarte, sein
Folterknecht sei, so fühlt sich der Gläubige, wollte er dies erkennen, auf sich
selbst zurückgeworfen.
Er steht dann einsam einem übermächtigen, furchterregenden Gegner und
seinen unsichtbaren Hintermännern gegenüber, ohne jede
Handlungsanweisung, ohne eine Macht, auf die er sich berufen kann, und
ganz auf sich allein gestellt.
Er muss sich selber informieren, er muss selber im wahrsten Sinne Gesicht
zeigen, seine Existenz riskieren und all das für eine Freiheit, von der er nicht
weiß, ob er sie im irdischen Leben jemals wird erstreiten können. Das ist kein
attraktives Geschäft. Die Feigheit ist billiger.
So winken die meisten dankend ab, die meisten von ihnen wiederum bereits
unwillkürlich, weil sie instinktiv merken, dass die rote Pille ein schlechter
Tausch, die betreute Angst wesentlich einfacher wäre, als die freie Brust. Für
sie wäre der Verlust der Autorität und ihre Verkehrung ins Feindliche der tiefe
Fall bereits im Diesseits, die Hölle auf Erden.
Wir kommen also vom Regen in die Traufe, wenn wir die Seelen der Corona Gläubigen dadurch zu erretten trachten, dass wir eine Angst durch die
andere ersetzten. Der lachende Dritte bliebe immer der Sieger.
Der wahre Schlüssel zum Himmel von dem der Friede ist, liegt weder bei
Petrus, noch bei Drosten und auch nicht in der Angst vor der
Weltverschwörung, sondern in der Überwindung der Angst.
In den Schulen hat man uns in einer naseweisen Zeit einmal erzählt, dass wir
keine Helden mehr brauchten. Gewiss, dieser Staat braucht sie nicht und soll
sie auch nicht haben. Wahres Heldentum aber bedeutet Tapferkeit, also
Selbstüberwindung, die Überwindung der Angst.
Wir müssen lernen, aufrecht zu gehen, der Wahrheit frei ins Gesicht zu
blicken, der Ewigkeit unserer Seele gewiss, vor keiner Erscheinung
schreckend den Weg der Vorsehung unangefochten gehen. Was auch kommen
mag, wir sind alle eines und damit hat alles seinen Sinn.
Wenn die Teile des Ganzen sich gegeneinander wenden, so löst sich das Leben
an sich auf, wie Krebs oder eine Autoimmunreaktion. Wer sich im Hass gegen
andere Seelen wendet, der hat die eigene Seele als Teil des Ganzen bereits
aufgegeben und schlägt zuerst sich selbst.
Heute sind wir alle, egal, ob Corona-Gläubige oder „Corona-Leugner“,
Geimpfte oder Ungeimpfte, in der Angst gefesselt, damit zugleich getrennt
und vereint. Zu erkennen, dass wir alle das Gleiche fühlen, dass nur die
Vorstellung von den Erscheinungen uns trennt, lässt uns die Gräben
überwinden.
Begegnen wir einander im Mitgefühl, fühlen wir mit dem anderen, so löst sich
die teilende Macht der Herrschenden aus unserem Genick. Wir müssen uns
alle wieder zurück in die Gemeinschaft führen, uns gegenseitig die Hände
reichen, helfen und nicht zuletzt verzeihen.
Wir sind Gedanken Gottes. Wenn wir barmherzig sind, verleihen wir ihm
wieder eine Stimme und damit jedem einzelnen von uns. Es bedarf nicht mehr,
als die vom Durcheinanderwirbler vereinzelten Teile wieder
zusammenzufügen, zwischen uns und in uns. Das ist das wahre Heldentum.
Die körperliche Freiheit folgt der inneren Freiheit von selber nach.
So wie die Fesselung der Seelen einst einherging mit der Leibeigenschaft, so
geht die heutige Gottlosigkeit als Materialismus einher mit einer auf
Wachstum ausgelegten Zinswirtschaft, die nichts anderes ist, als die Reise
nach Jerusalem. Der fehlende Stuhl des Schuldgeldes ist die Zuchtrute der
modernen Sklaverei.
Nicht umsonst einen Kirche, römisch-deutsches Zivilrecht, das Geldsystem
und den gegenwärtigen Staat ein Begriff: Schuld. Ihr Kult ist der Götzendienst
der herrschenden Gewalt, die Mutter der Angst.
Was auch in der Welt geschehen mag, die Kanzeln finden immer einen
Schuldigen, denn ein Gläubiger braucht einen Schuldner.
Ein freier Mensch aber braucht freie Menschen, um selbst frei sein zu können.
Jede Unfreiheit bedeutet für beide Seiten Abhängigkeit. Freiheit gibt es
entweder ganz oder gar nicht. Wir hatten sie einmal vor langer Zeit, bevor die
Angst über uns kam. Erinnern wir uns, wer wir wahrhaftig sind, an den
Helden in uns und streifen wir die Angst ab!
Wenn wir dann auf dem freien Feld der wiederhergestellten Ehre stehen, so
sind wir nicht allein. Im Wissen, dass wir Teil des Ganzen sind, liegt das Gute
in uns und lässt uns richtig handeln. Dieser kategorische Imperativ, der Ruf
unserer Seele, ist das einzige göttliche Gesetz.
