Herzlich willkommen im Widerstand

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Frau bei einer Veranstaltung von Anwälte für Aufklärung e.V. im Widerstand.

Von Rechtsanwalt Dr. Andreas Neumann

Immer mehr Menschen schliessen sich dem Widerstand gegen die aktuelle und zukünftige Coronapolitik an. Hier ein Erfahrungsbericht eines Neuankömmlings.

So sehr der Widerstand gegen die aktuelle Coronapolitik primär eine innere Angelegenheit ist und in einem selbst erwacht und erwächst – früher oder später, schneller oder langsamer – so sehr wirkt er ohne Anbindung an andere Menschen wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ohne Vernetzung mit Gleichgesinnten droht überdies Frustration bis hin zur Selbstaufgabe.

Aber auch in der ein oder anderen Widerstandsgruppe kann man frustriert werden. Wenn Qualifikation und Erfahrung plötzlich nichts mehr zählen und man sich zum Teil sehr eigenwilligen Hierarchien unterordnen soll, verliert man als Neuankömmling schnell die Lust am Mitmachen.

Erst Ende 2021 begann ich, mit zu demonstrieren. Und stellte fest, dass in der Rede der Versammlungsleiterin eine kurz zuvor von mir auf Facebook gepostete Beobachtung nahezu wörtlich übernommen wurde. In manchen Diskussionen mit neuen Freundinnen und Freunden war mir aufgefallen, dass im Widerstand ein seltsamer Wettbewerb herrscht – kaum jemand will nicht bereits von Anfang an alles durchschaut haben. Man habe dem Ganzen ja von vorneherein nicht geglaubt.

Dazu gesellen sich manchmal auch gegenseitige Übertrumpfungsversuche mit der Zahl der eigenen Demo-Teilnahmen oder Geldspenden. Wieviel Zeit oder Geld man dem Widerstand bereits gewidmet hat oder wieviele Postings oder Diskussionen in Social Media – all das wird plötzlich zum Gradmesser, wer die oder der bessere Widerstandskämpfer sei. Schlimmer noch wollen die „alten Hasen“ des Widerstands nicht selten den Neuankömmlingen vermeintlich gute Ratschläge erteilen.

Meine kleine Beobachtung in einer öffentlichen Diskussion auf Facebook wurde in die Rede eingebaut. Zitiert wurde ich aber nicht, schon gar nicht einmal angesprochen, ob ich diese oder andere Beobachtungen nicht selbst vortragen wolle (was ich abgelehnt hätte, was mich aber verwunderte). Wegen einer meiner Ideen wurde ich anschließend sogar aus den Gruppen zu den Spaziergängen ausgeschlossen und erhielt eine Privatnachricht mit vielen guten Ratschlägen. Ratschläge sind indessen auch Schläge. Vor allem dann, wenn sie unbegründet sind und einzig und allein auf ein nicht nachvollziehbares Hierarchie-Verhältnis hinauslaufen.

Mir wurde klar, dass die Widerstandsbewegungen zum Teil eben auch nur aus rational-egoistischen Motiven Einzelner gegründet und aufgebaut werden. So machen sich Widerstandskämpfer zum Teil auf der Überholspur einen Namen und erreichen erst mittels dieses Widerstands, was sie ohne die derzeitige Krise und die unweigerlich auch weltweit immer weiter wachsende Widerstandsbewegung niemals geschafft hätten. Sie haben dann Sorgen wie „Wieviele neue Follower konnte ich heute gewinnen“ oder „wer kann meine Chats auf Telegram künftig moderieren“, oder „wie erfolgreich ist mein neuester Spendenaufruf“… Solche Fragen will ich mir gar nicht stellen müssen.

Die vielfältigen Widerstandsbewegungen könnten allerdings viel erfolgreicher sein, wenn frühzeitig (potentielle) Neu-Erwachte erkannt, gesehen und wertgeschätzt würden. Je mehr Spritzen man abbekommen und Maßnahmen man mitgemacht oder sogar mit durchgesetzt hat, umso lobenswerter ist doch eigentlich das – wenn auch späte – Erwachen!

Denn für ein solches spätes Erwachen muss man vorher einsehen, dass man falsch gelegen und möglicherweise Freunden oder Familienmitgliedern grobes Unrecht angetan hat. Statt die Hürden eines solchen Sprungs über den eigenen Schatten also künstlich durch Machtstrukturen und Hierarchien im Widerstand zu erhöhen, sollte Achtsamkeit gerade gegenüber spät erwachten Menschen geübt werden. Willkommen im Widerstand, herzlich willkommen und schön, dass du dabei bist, wir können dein Engagement und deine Ideen sehr gut gebrauchen!

Das kann im Einzelfall auch eine Einladung zum Vortrag sein oder zum Gespräch oder – wenn gewünscht – auch die Übertragung einer Versammlungsleitung oder Admin-Funktion in einer Gruppe. Wenn das Sich-Klammern an vermeintlich eigene Machtpositionen und der wohl häufig unbewusste Ausschluss von Neuankömmlingen im Widerstand aber so weiter geht, wie ich es bislang beobachten durfte, verpuffen auch weiterhin viele Anstrengungen und gute Ideen.

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