Überlegungen zur Sprache einer gespaltenen Gesellschaft

Ein Beitrag von Christian Steidl

Im Zuge der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über die Angemessenheit der politischen Corona-Maßnahmen entwickelte sich eine Klima von Ausgrenzung, Spaltung und Intoleranz, das nicht nur sozial sondern zunächst sprachlich einen tiefen Kiel in die Gesellschaft trieb. Wie kann man diese zerstörerische Entwicklung aufhalten, welche Brücken müssten geschlagen werden?

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Menschen nehmen ihre Umwelt unterschiedlich wahr. Angela Merkel zum Beispiel fühlte sich in der DDR wohl und hatte nicht das Gefühl, in einer Diktatur zu leben. Sie war Jugendsekretärin in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und opponierte nicht gegen Erich Honecker. Sie war auf der Linie der SED-Parteiführung und konnte diese Meinung stets frei äußern, ohne Nachteile zu erleiden. Sie konnte Abitur machen und Physik studieren. Am Abend des Mauerfalls saß sie mit ihren Freundinnen in der Sauna und genoss das Leben. Andere Menschen äußerten Kritik an Erich Honecker und landeten im Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Der Fall der Mauer war für sie die Befreiung.

Auch heute ist es so, dass Menschen z.B. die einrichtungsbezogene Impfpflicht oder die Maskentragepflicht im Zug als gut und notwendig einschätzen, währenddessen andere dagegen Widerstand leisten und deshalb ihre Arztpraxis von einem Sondereinsatzkommando der Polizei geschlossen bekommen. Daher empfinden es die einen so, als würden wir „im besten Deutschland aller Zeiten“ leben, wohingegen andere diese Entwicklung als „totalitär“ empfinden. Entsprechend verwenden beide Typen von Menschen für die gleichen Sachverhalte unterschiedliche Ausdrücke. Um das gegenseitige Verständnis zu befördern und um der fortschreitenden Spaltung unserer Gesellschaft entgegenzuwirken, seien hier exemplarisch einige dieser unterschiedlichen Wahrnehmungen – neudeutsch „kognitive Dissonanzen“ – gegenübergestellt:

Anhänger
der Corona-Maßnahmen empfinden es so:
Kritiker
der Corona-Maßnahmen empfinden es so:
PandemiePlandemie
Epidemische Notlage von nationaler TragweiteSaisonale Grippewelle
krankTest-positiv
UnterhakenIntoleranz
FaktencheckZensur
ExperteLobbyist
HassMeinungsfreiheit
VerschwörungstheoretikerSkeptiker
Antifaschist*InnenGesinnungsterroristen
RettungspaketInflationstreiber
FürsorgeZwangsmedizin
Aufmerksamer NachbarDenunziant
NetzwerkdurchsetzungsgesetzMeinungsfreiheitsabschaffungsgesetz
DemokratieabgabeZwangsgebühreneinzugszentrale
Klima-Aktivistenwohlstandsdegenerierte Ökoterroristen
DemokratiewahrungWahlmanipulation
Great ResetWirtschaftszusammenbruch
Neue NormalitätHygienediktatur
plötzlicher und unerwarteter TodImpfschaden
Vorübergehende SchließungInsolvenz
InfektionsschutzgesetzErmächtigungsgesetz
PrivilegienGrundrechte

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“, stellte Rosa Luxemburgs in ihrer Schrift „Die Russische Revolution“ fest und kämpfte dabei ausschließlich für die Meinungsfreiheit von kommunistischen Andersdenkenden – also für sich und ihre Gesinnungsgenossen. Was wir in unserer Welt bräuchten, wären Menschen, die Toleranz, Akzeptanz und Wertschätzung einfordern für Mitmenschen, die eine ANDERE Meinung haben als sie selbst!

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